1941-42 erbaut, ist der Hochbunker in der Boltestraße ein Luftschutzbunker und diente als ziviler Schutzraum für die Bevölkerung und städtische Bedienstete in Bochum-Werne.

Der in T-Form gebaute untypische Bau der zweiten Bauwelle mit seinen großzügig geschnittenen Fluren und hoher Deckenhöhe weist auch in weiteren Kriterien einige Besonderheiten auf.

Besonders hervorzuheben ist das aus Beton gegossene Spitzdach, welches sich an die beiden nebenstehenden Mehrfamilienhäuser nahtlos anschließt und aus der Luft betrachtet eine perfekte Tarnung darstellt. Das angrenzende Flachdach wurde mit grüner Farbe versehen, so dass für feindliche Flieger der Eindruck eines langgezogenen Mehrfamilienhauses mit Gartenfläche erweckt werden sollte.

Das mit Keller, Erdgeschoss, 1. Obergeschoss, 2. Obergeschoss und Dachgeschoss insgesamt 5 Ebenen umfassende Bauwerk besitzt eine Außenwand- und Deckenstärke von 2 Metern und zählt somit von der Wandstärke ausgehend zur Regelbaunorm B neu.

Die Regelbaunormen entstanden durch die Erfahrungen die während des Baus des Westwalls ab 1936 durch die Ingenieure gemacht werden konnten. Zunächst baute man Befestigungsanlagen mit einer Wandstärke von 0,3-1 Meter. Durch die während der Kriegszeit angekurbelte Waffenindustrie und die damit verbundenen Weiterentwicklungen von Rüstungstechnologien, reichte diese Wandstärke bald nicht mehr aus, so dass Bauwerke mit einer Wandstärke von bis zu 3,5 Metern geschaffen wurden (Regelbaunorm A).

Ein weiteres Kriterium zur Klassifizierung der Regelbauten sind die ab Ende 1940 eintretenden Materialknappheiten. Metalle wurden in der Rüstungsindustrie benötigt zur Herstellung von Munition. Deshalb fehlte es an Material für den Bau von Bunkeranlagen. Desweiteren sollte der Bau neuer Schutzräume schneller und kostengünstiger vorangetrieben werden. Wurden anfangs noch Bunkerbauwerke mit Verzierungen und üppigen Tarnvorrichtungen geplant, wurden diese im Laufe der Zeit immer minimalistischer ausgeführt, bis zum Ende hin sogar auf sämtliche Innenverschönerungen beim Bau verzichtet wurde: kein Putz an den Wänden, Betonböden und kleine Räume mit geringer Deckenhöhe zeichneten die Bauwerke der letzten Kriegsjahre aus.

Der Hochbunker in der Boltestraße ist hierbei ein Sonderfall: trotz der akuten Materialknappheit wurde der Bunker mit zahlreichen Verzierungen und Ausbauten versehen. Besonders hervorzuheben ist die aus Basaltlava gehauene Adlerplastik über dem zur Straßenseite gewandten Eingang. Der Reichsadler über (mittlerweile entnazifizierter) Swastika sollte als Bronzeplastik über dem Eingang Marktseite realisiert werden – ein Entwurf hierfür lag der Bauleitung vor, wurde jedoch aus besagter Materialknappheit nicht realisiert. Dennoch ist die Ausführung des Reichsadlers über dem Eingang Boltestraße ein Zeichen für die Besonderheit des Bauwerkes und Indikator für die soziale Bürgerschicht Bochum-Wernes zur Zeit des Nationalsozialismus: städtische Beamte und eine wohlhabende Mittelschicht.

Naturschiefer-Sockelleisten in allen Fluren und Räumen, Rundbögen im Eingangsbereich, ordentlich verputzte Wände in den Schutzräumen, komplett ausgeführte sanitäre Anlagen, Unterputzinstallationen von Leitungen, zentrale Warmwasserversorgung aller Waschbecken, breite Treppenaufgänge mit Handführungen aus Massivholz, geflieste und extrem strapazierfähige Böden in sämtlichen Fluren und Räumen (Ausnahme: Kellergeschoss und Dachboden), sowie die Gaubenkonstruktionen auf dem Dachgeschoss sind weitere, eindeutige Indizien für eine wohlhabendere Bevölkerungsgruppe.

Für 660 Bürger war der Schutzbunker in der Boltestraße vorgesehen. Genutzt wurde er zeitweise mit dreifacher Überbelegung von über 2000 Schutzsuchenden.

Am 4. August 1944 detonierte eine 1-Tonnen-Bombe an der marktseitigen Tür und riss den Beton bis zu einer Tiefe von etwa 20 Zentimetern von der Außenwand an dieser Stelle. Die Beschädigungen an der Wand sind auch heute noch sichtbar. Sechs im Eingangsbereich stehende Menschen verloren aufgrund der hierbei entstandenen Druckwelle ihr Leben, zahlreiche wurden zum Teil schwer verletzt. Die noch nicht geschlossene Luftschutztür wurde an dieser Stelle aus der Verankerung gerissen und ins Bunkerinnere gedrückt.

Eine weitere Fliegerbombe detonierte auf dem Dach des Bunkers. Der hierbei entstandene Schaden wurde mit Kosten in Höhe von etwa 15.000 Reichsmark notdürftig repariert. Bei diesem Einschlag wurde Niemand verletzt.

Nach Kriegsende wurde der Hochbunker zeitweilig als Ledigenheim genutzt, hierzu entstand im zweiten Obergeschoß das Loch in der Außenwand, man brauchte für eine Küche eine Belüftungs- und Versorgungsmöglichkeit. In dieser Zeit wurden auch die vielen Bemalungen der Innenwände vorgenommen. Danach wurde das Gebäude in den sechziger Jahren saniert. Anschließend wurde er als wilde Abfallentsorgungshalde und für Obdachlose attraktiv, bis die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gebäude in den frühen 90er Jahren erfolgreich vermieten konnte. Im Rahmen der „Stadtverschönerung Bochum“ wurde die Außenfassade des Bunkers von lokalen Studenten und Künstlern farbig bemalt. Der damalige Hauptmieter des Gebäudes konnte viele Etagen erschließen und die Räumlichkeiten wieder einer sinnvollen Nutzung zuführen.

Am 23.12.2010 erwarb der Verein „Der Bunker e.V.“ das Gebäude vom Bund und vermietet seitdem Räumlichkeiten für Kreative und Künstler in Form von Werkstätten und Ateliers. Primäre Aufgabe des Vereins ist es, das Gebäude zu erhalten und einer weitergehenden, sinnvollen Nutzung im künstlerischen und kulturellen Bereich zuzuführen.

(Autor: DW)